Matthias Boosch

Black Friday –
und andere Lettland-Geschichten

 

ISBN 978-3-9524559-0-6 

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Matthias Boosch

Black Friday – und andere Lettland-Geschichten

Baltische Bibliothek im BaltArt-Verlag – Band IX

Originalausgabe, 1. Auflage 2016 

ISBN: 978-3-9524559-0-6

Preise: 15 € / 17 CHF (plus allfällige Versandkosten) 

Lektorat: Daniel Sägesser, Bern/Tallinn; Markus Roduner, Vilnius; Heiko Meyer, Bern
Korrektorat: Arnd Matthias Schuppius, Burg/Ditmarschen
Umschlagillustration: Martynas Vilimavičius, Vilnius
Buchgestaltung: Vita Paulinė, Vilnius
Projektunterstützung: Anna und David Shelton, Mainz
Druck: UAB Agentūra «Jungtinė spaudos paslaugos», Vilnius

Die Stadt Mainz verlieh Matthias Boosch den «Literaturförderpreis für junge Autorinnen und Autoren 2015» für die Geschichte «Der Überfall».

Matthias Boosch live liest «der Überfall»

 

Skurrile Abenteuer und erweiterte Horizonte in der baltischen Provinz
Erstmals gibt der auf Übersetzungen spezialisierte BaltArt-Verlag ein Werk eines deutschen Autors in der Originalsprache heraus. Band 9 in der Baltischen Bibliothek im BaltArt-Verlag, Matthias Booschs «Black Friday – und andere Lettland-Geschichten», lädt ein zu einer Entdeckungsreise in dieses baltische Land – abseits der Touristenströme. 

Das Buch

 

Zwei Diebe, die behaupten von der russischen Mafia zu sein, aber nur den Kühlschrank ausräumen.
Ein hagerer Black-Metal-Fan mit einem weißen Schlappohrkaninchen, der einem gestrandeten Touristen früh morgens Tee serviert, während er ihm Details der baltischen Black-Metal-Szene auseinandersetzt.
Ein neuer Freund, der die Stadtgeschichte mit brennendem Wodka in einem Aschenbecher illustriert.
Es sind meist abseitige, skurrile Begebenheiten, die Autor Matthias Boosch mit satirischem, an Wladimir Kaminer gemahnendem, humorvollem Blick in seinen Lettland-Geschichten erzählt. Dabei wird nicht der Anspruch erhoben, ein politisch korrektes, umfassendes, gar repräsentatives Bild des baltischen Landes widerzugeben. Vielmehr trifft der Ich-Erzähler, ein aus der Zeit gefallener Spät-Hippie auf Selbstfindungstrip, auf originelle Protagonisten, eigentümliche Charaktere und Außenseiter, mit denen er – vorwiegend in der Provinz – allerlei Absurdes, aber auch Anrührendes erlebt.
Unvorbereitet wie er ist, erfährt der junge Deutsche zwar einen Kulturschock, kommt jedoch häufig dank der in Teilen des Baltenvolks verbreiteten Zuhilfenahme von Hochprozentigem mit der Alltagsbewältigung und Völkerverständigung bestens klar.


«Black Friday – und andere Lettland-Geschichten» ermöglicht dem Leser ungewöhnliche Einblicke in ein sich im Umbruch befindliches, verschroben wirkendes Stück altes Europa. Denn wo das tragische postsowjetische Erbe auf neue Freiheiten sowie die Errungenschaften und Ansprüche der Moderne trifft, kann es leicht zu Friktionen und Brüchen kommen – so, wie sie Matthias Boosch in unverwechselbar-lakonischer Sprache schildert.

Der Autor

Matthias Boosch (*1982) wuchs im hessischen Bischofsheim auf. An der Gutenberg-Universität Mainz studierte er Geschichte und Buchwissenschaft. 2009 erschien im Gonzo-Verlag seine Polit- und Mediensatire «Großtyphien schlägt zurück», in der er sich mit den kriegerische Folgen des 11. Septembers auseinandersetzt.
«Black Friday – und andere Lettland-Geschichten» ist sein zweites Buch. In diesem BaltArt-Band reflektiert Matthias Boosch Erfahrungen und Erlebnisse aus seiner Zeit in der ehemaligen Hansestadt Limbaži, heute eine Kleinstadt im Norden Lettlands, in welcher er 2005/2006 ein Jahr lang lebte.

 

Foto: Matthias Wilm, Mainz

Matthias Boosch

Homepage
Wikipedia

Textauszug

 

Ich ging die Straße entlang. Rotbraune Blätter an den Bäumen, sowjetisch anmutende Autos, aufgesprungener Asphalt.
«Cēsu iela», stand auf einem Straßenschild. Das also war der Ort, in dem ich das nächste Jahr verbringen wollte.
Ein Freund hatte mich auf die Idee gebracht, als er nach einer Lettlandreise überzeugt war, man könne dort besser als anderswo «dem Leben zuhören».
Ich ging an einem alten Holzhaus vorbei, wie man es von Schweden her kennt. Folgte der Cēsu iela.
Limbaži. Eine Kleinstadt im Norden Lettlands. Ich freute mich auf das nächste Jahr.

Abends saß ich auf dem Balkon meiner Wohnung im fünften Stock. Sah herunter auf die Wiese vor dem Haus, die Straße und die Milchfabrik dahinter. Trank zum ersten Mal in meinem Leben ein lettisches Bier. So anders als deutsches schmeckte es nicht, aber hier in Limbaži, an meinem ersten Tag in Lettland, war es etwas Besonderes.
Ich beobachtete die Leute, wie sie die Straße an der Wiese entlanggingen, im Supermarkt gegenüber verschwanden, nach einiger Zeit wieder herauskamen. Der Cēsu iela mit nun vollen Einkaufstüten folgten.
«Du wirst dich zu Tode langweilen», hatte ein anderer Freund in Deutschland mir prophezeit. «Ich habe den Wikipedia-Artikel über Limbaži gelesen, es gibt dort absolut nichts Interessantes.»
Er hatte mich nicht überzeugen können, aber Zweifel waren geblieben. Vielleicht würde tatsächlich nichts weiter passieren, als dass ich auf dem Balkon saß und Leute beim Einkaufen beobachtete. Ich nahm einen Schluck Bier.
Es war windig geworden. Ich stand auf, um reinzugehen, nahm mein Bier – da hörte ich Geräusche in der Wohnung. Blieb stehen. Eine Sekunde später öffnete sich die Tür des Wohnzimmers, und ein älteres Paar stand vor mir. Starrte meinen Rucksack auf dem Boden, meinen Schlafsack und die Isomatte an, dann mich, der ich immer noch auf dem Balkon stand.
Die beiden waren offensichtlich genauso überrascht wie ich. Guckten mich an, als sei ich ein Geist.
Stille.
Dann redeten sie, beide gleichzeitig, wohl auf Lettisch, so genau konnte ich das damals nicht vom Russischen unterscheiden. Als sie merkten, dass ich sie nicht verstand, erklärten sie mir gestenreich und mit einigen Brocken Englisch, dass das ihre Wohnung sei und sie jetzt die Polizei rufen würden.
Ich dagegen machte ihnen klar, dass dies meine Wohnung sei, und drohte ihnen ebenfalls mit der «policija».
Ich zeigte den beiden einen Zettel, auf dem Name und Handynummer des Menschen standen, der mir die Wohnung vermietet und die Schlüssel gegeben und dem ich eine Monatsmiete im Voraus bezahlt hatte.
Der Mann ignorierte den Zettel, redete weiter auf mich ein, aber die Frau sah, was darauf stand, riss ihn mir aus der Hand und zeigte ihn dem Mann. Aufgeregt rief sie: «Krišjānis!»
Der Mann hielt inne. Nun diskutierten die beiden miteinander. Die Frau zückte ihr Handy und versuchte, besagten Krišjānis anzurufen, er nahm nicht ab.
Der Mann erklärte mir, Krišjānis sei ein Verbrecher. Ich hielt dagegen, die Verbrecher stünden vielleicht hier vor mir.
Der Mann zeigte mir seinen Ausweis, Godmanis hieß er. Ich folgte ihm fünf Stockwerke hinunter bis zum Briefkasten. Immer noch hielt er seinen Ausweis in der Hand, ließ mich vergleichen. Derselbe Name.
Godmanis stieg eilig wieder die Stufen hinauf. Ich folgte ihm. Sah, oben angekommen, dass die Frau bereits Rucksack, Schlafsack und Isomatte vor die Tür gestellt hatte. Der Mann verschwand in der Wohnung, und ich stand vor der geschlossenen Tür.
Ich fluchte. Trank von meinem Bier, das ich immer noch in der Hand hielt. Natürlich konnte es sein, dass die beiden früher einmal hier gewohnt hatten und das Briefkastenschild noch nicht ausgetauscht worden war. Wahrscheinlicher war wohl, dass sie Krišjānis leichtsinnig den Schlüssel ihrer Wohnung anvertraut und dieser mich, den naiven Ausländer, übers Ohr gehauen hatte.
Ich nahm meine Sachen, stieg die Treppe hinab, trat vor die Tür. Es war bereits dunkel.
Was nun? Ich überquerte die Wiese. Folgte der Cēsu iela Richtung Stadtmitte. Gab es eine Jugendherberge in Limbaži? Oder ein Hotel? …

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