Eino Hanski

Das Brüderbataillon

ISBN 978-3-9523109-8-4

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Eino Hanski

Das Brüderbataillon

Übersetzt aus dem Schwedischen von Daniel Sägesser, Bern/Tallinn
«Baltische Bibliothek» im BaltArt-Verlag – Band VI

Deutsche Erstausgabe, 1. Auflage 2014

ISBN 978-3-9523109-8-4

Preise: 20 € / 25 CHF (plus allfällige Versandkosten) 

Titel der schwedischen Originalausgabe: «Brödrabataljonen»

© Naemi Hanski, Göteborg 


Nachwort: Professor Henrik Meinander, Helsinki
Lektorat: Nina Kusano, Bern
Korrektorat: Arnd Mathias Schuppius, Burg/Dithmarschen 
Buchumschlag-Illustration: Martynas Vilimavičius, Vilnius
Buchgestaltung: Laura Vilimavičienė, Vilnius

Druck: UAB Agentūra «Jungtinės spaudos paslaugos», Vilnius

Die Publikation wurde von Swedish Arts Council (Kulturrådet) gefördert.

Kulturrådet
Der BaltArt-Verlag dankt der schwedischen Botschaft in Bern für die Unterstützung.

«Das Brüderbataillon» von Eino Hanski – ein schwedischer Roman über die Ingermanländer im finnisch-sowjetischen Fortsetzungskrieg

Der BaltArt-Verlag gibt in seiner Baltischen Bibliothek Bücher mit Bezug zum Ostseeraum heraus. Erstmals veröffentlicht er einen schwedischen Roman auf Deutsch. Übersetzt hat das Werk der teilweise in Tallinn lebende Berner Journalist, Historiker und Germanist Daniel Sägesser.

Das Buch

  

Eino Hanskis 1979 erschienener Roman «Das Brüderbataillon» (schwedischer Originaltitel «Brödrabataljonen») beleuchtet ein wenig bekanntes Kapitel des 2. Weltkriegs und der finnischen Verstrickungen darin – das Schicksal der Ingermanländer. Dieses finnischsprachige Volk lebte seit Jahrhunderten auf einem Landstrich am Finnischen Meerbusen, der sich von der karelischen Landenge bis hin nach Estland erstreckt. Hauptstadt Ingermanlands ist Leningrad (St. Petersburg).
Im Fortsetzungskrieg (1941–44) zwischen Finnland und der Sowjetunion wurden die jungen Ingermanländer gezwungen, in der Roten Armee gegen die Finnen zu kämpfen. Nahmen Letztere sie gefangen, wurden sie zunächst wie sowjetische Kriegsgefangene behandelt, später versprach man ihnen die finnische Staatsbürgerschaft, wenn sie sich bereit erklärten, für Finnland gegen die Russen zu kämpfen.
In den im September 1944 von den Sowjets diktierten Waffenstillstandsbedingungen wurden die Finnen dazu verpflichtet, die ingermanländischen Soldaten und Zivilisten an die UdSSR auszuliefern, was für diese Hinrichtung, Gulag oder im besten Fall Deportation bedeutete. Vielen glückte es aber auch, in Finnland zu bleiben oder nach Schweden zu fliehen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion siedelten rund 30 000 Ingermanländer nach Finnland über.
In «Das Brüderbataillon» setzt der schwedisch-ingermanländische Autor Eino Hanski den einfachen ingermanländischen Soldaten, die stalinistischem Terror, finnischer Misshandlung, Hunger und Krieg ausgesetzt waren, ein literarisches Denkmal. Neben den brutalen Ereignissen erzählt er aber auch von Freundschaft und Mitmenschlichkeit.
Das von humanistischem Geist durchdrungene literarische Meisterwerk weist in seiner Beispielhaftigkeit über das eigentliche Geschehen weit hinaus, denn es verdeutlicht, was Krieg mit und aus Menschen machen kann. In diesem Sinn ist es – auch stilistisch – das ingermanländische Gegenstück zum epochalen Roman «Der unbekannte Soldat» des finnischen Schriftstellers Väinö Linna, welcher vom Schicksal der Soldaten im Fortsetzungskrieg erzählt. 

Stimmen von Leserinnen und Lesern:
Buchkritik von Theatermacher Christian Probst, Bern
Buchkritik von Verena Sigrist, Burgdorf
Kritik Dr. iur. Gerhard R. Holzhacker M.B.L.-HSG, Vaduz FL 


Presseecho:
 19. Juli 2015: NZZ am Sonntag: Der renommierte Schweizer Historiker Thomas Maissen über «Das Brüderbataillon», Eino Hanski, die Ingermanländer und die über das Thema hinausweisende Bedeutung dieses Buches

Jahrbuch für finnisch-deutsche Literaturbeziehungen, Nr. 47, 2015 (Herbst)
Beitrag Finnland-Magazin Dezember 2014
Buchrenzension literaturkritik.de
Buchtipp «General Anzeiger Bonn», 11./12. Oktober 2014

Buchtipp «Basellandschaftliche Zeitung», 24. Juli 2014


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Der Autor

Zum Autor: Der schwedisch-ingermanländische Schriftsteller, Dramatiker und Bildhauer Eino Hanski wurde 1928 in Leningrad geboren. Sein Vater, ein finnischer Arbeiter und Kommunist, hatte sich 1921 aus Finnland abgesetzt. Hanskis Mutter war Karelierin, Finnisch seine Muttersprache.
Zusammen mit seiner Mutter und Schwester konnte Hanski aus dem seit 1941 von den Deutschen belagerten Leningrad fliehen, sein Vater verhungerte dort. Die strapazen- und gefahrenreiche Flucht vor Hunger, Krieg sowie faschistischer und stalinistischer Verfolgung führte ihn in die Ukraine, nach Polen und Finnland, bis er schliesslich 1945 in einem kleinen, überfüllten Flüchtlingsboot in Schweden anlandete. Er liess sich in Göteborg nieder und starb dort im Jahr 2000.
Eino Hanski verdiente sich seinen Lebensunterhalt unter anderem als Wald-, Industrie- und Hafenarbeiter. Er arbeitete aber auch in einem Jugendhaus, als Fotograf und war Leiter einer Jugendherberge.
1965 debütierte er als Autor – auf Schwedisch. Sein umfangreiches literarisches Schaffen handelt vor allem von russischen und sowjetischen Lebensschicksalen. Zu diesem Themenkreis gehört auch der 1979 erschienene Roman «Das Brüderbataillon».
Hanskis Bücher waren Bestseller und wurden über 2 Millionen Mal verkauft. 

 

Eino Hanski

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Der bedeutende finnische Historiker Henrik Meinander, Professor an der Universität Helskinki, hat eigens für die

deutsche Ausgabe ein Nachwort verfasst. 

Henrik Meinander

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Foto: Privatarchiv Nemi Hanski, Göteborg

Textauszug

«Endlich gibst du Ruhe», dachte er müde und liess seine schwere Bürde los.
Die steife Grimasse des Toten mit den glänzenden Stahlzähnen im Oberkiefer schien ihn zu verhöhnen.

«Dass du nicht nach Stalin anstelle deiner Mutter gerufen hast», brummte er missmutig und vergegenwärtigte sich das ständi- ge Predigen des Politruks über die Partei und ihren unfehlbaren Führer, Lehrer, ihre Sonne und den vom ganzen Volk geliebten Vater: Stalin.

Der kalte Glanz der Zähne erinnerte ihn an das persönliche Ge- spräch, das er mit dem Politruk bei Kriegsausbruch gehabt hatte. «Ich weiss um Ihre Verwandtschaftsverhältnisse, Genosse Inkeriläinen», hatte der Politruk ihm mit heiserer Stimme zugeraunt. «Sie sollten sich, wie sonst niemand, des Vertrauens der Sowjetmacht und unserer unbesiegbaren Roten Armee würdig erweisen. Wann, wenn nicht jetzt, haben Sie die Möglichkeit, sich und Ihre Mutter vom schädlichen Einfluss Ihres Vaters reinzuwa-schen und zu beweisen, dass Sie ein würdiger Streiter unter der roten Fahne sind. Ihnen persönlich habe ich nichts vorzuwerfen. Ich habe Sie während der ganzen Ausbildung zum Krieger beob- achtet und Ihren Fleiss und Ihr Pflichtbewusstsein während der vergangenen zwei Jahre sehr wohl bemerkt. Ich wünsche Ihnen grosse Erfolge im heiligen Kampf um die Verteidigung unseres geliebte Heimatlands, Genosse Inkeriläinen!»

Sein Blick glitt zur blutigen, geöffneten Hand des Politruks, und er erinnerte sich an seine Antwort während des kurzen Handschlags: «Ich bin bereit, für unser Heimatland und für die Freiheit des Volkes zu sterben!»

«Aber du hast nicht an mich geglaubt», dachte er im nächsten Augenblick.

Erst jetzt sah er, dass die Gradbezeichnungen auf den Kragen- spiegeln des Politruks weggerissen waren. Eine Sekunde lang stand er wie versteinert da, dann beugte er sich hinunter und überprüfte mit den Fingern, was seine Augen schon konstatiert hatten.

«Du ... du wolltest ... dich ergeben!»
Seine Worte stockten, und getragen von einer Welle der blinden Raserei trat er dem Toten in die Stahlfresse.
«Und dich habe ich die halbe Nacht mit mir herumgeschleppt, du Aas», seufzte er und verpasste dem leeren, blutigen Maul noch einen Tritt, bevor er kraftlos auf den Boden sank.
Eine geraume Zeit sass er mit offenem Mund da und vernahm lediglich das eigene schwere Atmen.
Langsam kehrte die Erinnerung an den panischen Rückzug in dieser Nacht nach dem stundenlangen finnischen Artilleriefeuer auf ihre Stellungen wieder und wie die Kompanie beinahe voll- ständig ausgelöscht worden war, bevor der Befehl zum Rückzug kam.
Er erinnerte sich an den Befehl des Poltiruks – «Genosse Inkeriläinen, Sie bleiben hier und decken unseren Rückzug» –, bevor dieser aus der Verschanzung gekrabbelt und kriechend hinter den Büschen verschwunden war. Er selber war hinter dem Ma-schinengewehr liegen geblieben und hatte bis zum letzten Schuss auf die angreifenden Finnen gefeuert: graue, gespenstische Schatten, die aufgetaucht und wieder hinter den Stämmen des dichten Jungwaldes verschwunden waren. «Ausgerechnet dich sollte ich retten», dachte er bitter, und der erste, grosse Angriff der Finnen vor einer Woche fiel ihm ein, als einige der Rotarmisten in Panik ihre Gewehre fortgeworfen hatten und daraufhin vom Politruk abgeknallt worden waren.
«Du bist gut darin, unsere Eigenen zu erschiessen, du verdamm- ter Prediger. Dass ich dich nicht einfach habe liegen lassen, wo du dich doch sowieso ergeben wolltest ... Alles bloss Worte, Worte, Worte», murmelte er und dachte an die Warnungen seines Vaters: «Glaub denen nicht, die grosse, schöne Worte gebrauchen

und die Sowjets preisen, mein Junge, sie sind kleine und betrü- gerische Menschen, die nur brüllen, um ihre eigene Furcht zuübertönen.»
«Ich bin auch nicht viel besser», dachte er im nächsten Augenblick und starrte auf das nervöse Zittern der Tautropfen zu seinen Füssen. «Nein, du hast nicht gebrüllt, Papa ... deshalb nah- men sie dich mit, und du verschwandest, als ob du nie existiert hättest. Niemand wagte es, nach dir zu fragen ... niemand half uns, alle mieden unsere Hütte. Wenn du wüsstest, wie ich dich verfluchte, weil du uns im Stich gelassen hast ... lieber hätte ich einen Vater mit kaputten Stimmbändern gehabt als jemanden, der Volksfeind genannt wurde und tot war. Du alleine konntest nicht recht haben und alle anderen unrecht. Danach sprach Mutter fast nie von dir, wahrscheinlich fehlte ihr der Mut», dachte er und zuckte zusammen, als die helle Dämmerung der Julinacht plötzlich von neuen Explosionen erschüttert wurde.

Immer wieder zitterte die Erde unter ihm, und er kroch näher zum Toten heran, um Deckung zu finden. Wie von Sinnen krallten sich seine Finger in die bebende Erde, der Mund kaute vergilbte Tannennadeln und kleine Zweige, alles war ein einziger krachender Knall, Bäume in seiner Nähe zersplitterten mit einem schrillen Quietschen; die Luft wurde aus seinen Lungen gepresst, und er verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, lag der Tote quer über seinem Rücken, und er schnappte nach Luft. Die leblose Schwere des Politruks drückte ihn gegen eine Wurzel, die ihm schmerzhaft ins Zwerchfell schnitt. Benommen und abgeschottet durch ein scharfes Läuten in den Ohren, stiess er die schwere Bürde von sich und setzte sich auf. Als er den zerstörten Wald um sich herum sah, stiess er einen lang anhaltenden, tierischen Laut hervor und brach in ein schnaufendes, abgehacktes Gelächter aus. «Ich lebe ... lebe», jubelte es in ihm und mit zitternden Händen untersuchte er seinen wunden, schmerzenden Körper.

«Ist das alles?», wunderte er sich einige Minuten später und starrte auf eine Zentimeter breite Wunde an der Innenseite seines linken Schenkels. Die Gedanken wanderten zu den anderen in der Kompanie. «Bin ich als Einziger übriggeblieben?», fragte er sich ratlos und betrachtete die umgestürzten, zerfetzten Bäu- me und Granattrichter um sich herum.

Etwas bewegte sich einige Meter von ihm entfernt im dichten Grün des Kiefernwipfels.
«Wer ist da, wer?», schrie er.
Unendlich langsam wurden die Äste zur Seite geschoben, und er starrte in das magere Kindergesicht Gopas.

«Gopa, Gopa, du lebst!», schrie er glücklich und streckte seine Hände aus.
Torkelnd wie ein Betrunkener kam der andere auf ihn zu und fiel auf die Knie.

«Stjopka ... Stjopka ist tot, Tojvo», schluchzte Gopa und fiel ihm um den Hals.
Tojvo erinnerte sich an Stjopka: blond, blauäugig, mit einem runden, gutmütigen Gesicht und einem kräftigen, untersetzten Körper.

«Ich scheisse auf alles», schluchzte Gopa und hing schwer an ihm. «Ich hau ab in den Kaukasus ... ich kämpfe nicht mehr, Tojvo. Sie können mich töten ... ich will zu Stjopka ...»
«Hör auf, Gopa, du lebst ... sei dankbar dafür», versuchte es Toj- vo müde und befreite sich vorsichtig.

Jetzt entdeckte Gopa den Politruk und wies auf seinen blutigen Rücken.
«Wer ist das?», fragte er schluchzend.
«Dieser verdammte Prediger. Ich habe ihn gefunden ... er bettelte und drohte, also nahm ich ihn mit. Er ist gestorben», antwortete Tojvo, ohne den Blick von seiner Wunde abzuwenden, aus welcher das Blut stossweise hervorquoll.

«Dieser Sauhund, gestern drohte er mir und Stjopka mit dem Kriegsgericht. Ich wollte ihn umlegen, aber Stjopka hielt mich zurück.»
Gopas Stimme war nun etwas ruhiger geworden. Dann sah er Tojvos blutige Hand und stiess hervor: «Bist du verletzt?»

Ohne auf eine Antwort zu warten, beugte er sich über den Politruk, drehte ihn auf den Rücken und durchsuchte seine Taschen. «Ich wusste ja, dass er Verbandszeug bei sich hat», brummte er triumphierend und zog ein blaues Packet mit einer Rolle Gazebinde, etwas Watte und einer Sicherheitsnadel aus der Brusttasche hervor.

«Zieh deine Hose aus, damit ich die Wunde reinigen kann», befahl er. Vor Tojvo kniend, knöpfte Gopa seinen Hosenschlitz auf. «Ein Glück für dich, dass ich noch etwas Pisse übrig habe.» Gopas Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, während er versuchte, die Reste seiner Blase zu entleeren.

«Verdammt noch mal, du willst mir doch nicht auf die Wunde pissen!», wehrte sich Tojvo.
«Willst du, dass sich die Wunde entzündet? Nimm die Hand weg, es kommt! Ich weiss, was ich tue. Ein Arzt im Lager hat es mir gezeigt», schnaubte Gopa und richtete den Strahl aus. «Wasch die Wunde aus, sonst nützt es nichts. Drei Zentimeter tiefer, und du hättest das ganze Ding verloren.»

Der Verband kam an seinen Platz, und Tojvo zog die Hose hoch. Sie erstarrten, als sich unmittelbar hinter ihnen eine Kugel tief in die umgestürzte Kiefer bohrte.
«Jetzt sind sie hier», sagte Gopa leise und warf sich bäuchlings neben Tojvo auf den Boden.

Die nachfolgenden Minuten waren wie eine Ewigkeit, durchsetzt mit kurzen Salven, schnellen Schritten und dem Brechen von Ästen.
«Jetzt sollte ich ein Maschinengewehr haben», dachte Tojvo, aber im nächsten Augenblick überkam ihn eine abgrundtiefe Angst vor dem unausweichlichen Zusammentreffen mit dem Feind. «Sie stechen ihren Feinden die Augen aus oder lassen sie verhungern», hatte der Politruk ihnen mit auf den Weg gegeben, als sie zur Front marschieren mussten.

Schwere Schritte machten neben seinem Kopf halt, und er spürte, wie sich seine Blase entleerte.
«Hei, Jungs, hier sind drei Stalinhelden», rief eine jugendliche …

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